Wir haben dein Konzept und die DFKI/Inria-Referenz geprüft und rund um den Stand der Technik, den Wettbewerb und die Fördermöglichkeiten recherchiert. Hier die ausführliche Fassung, damit du siehst, wie wir das Projekt einordnen und warum wir daran glauben.
Kurzfazit
Die Idee ist stark und der Ansatz ist realistisch, wenn wir ihn richtig zuschneiden. Der Schlüssel ist, nicht alles auf einmal zu bauen und nicht bei null anzufangen, sondern auf offener Forschung aufzusetzen und die Kraft dort hineinzustecken, wo es für ÖGS wirklich noch nichts gibt. Genau das macht SIGNVERSE eigenständig und förderfähig.
Ist das technisch realistisch?
Ja. Die einzelnen Bausteine, die es braucht (Sprache-zu-Text, Sprachmodelle, 3D-Avatar, Bewegungsdaten), existieren alle und sind ausgereift. Die eigentliche Schwierigkeit liegt woanders: darin, Gebärdensprache als vollständiges visuell-räumliches System abzubilden, also Mimik als Grammatik, non-manuelle Signale, räumliche Bezüge und Rollenwechsel. Das ist genau der Punkt, den heutige Systeme am schlechtesten können, und damit euer Forschungsbeitrag.
Wie wir es bauen würden
Statt alles neu zu erfinden, setzen wir auf vorhandene, offen nutzbare Technik auf und bauen selbst nur das, was ÖGS ausmacht. Grob in Schichten:
Eingabe (Text und Sprache): fertige Technik nutzen.
Übersetzung ins ÖGS-Sprachsystem: hier steckt die Eigenleistung, gemeinsam mit der Übersetzerin.
Gebärden-Darstellung (Hände, Mimik, Blick, Raum, Timing): das Herzstück, selbst gebaut und editierbar.
Avatar-Ausgabe: bestehende 3D-Technik als Basis.
Rückkopplung: gehörlose Muttersprachler prüfen und korrigieren, das System lernt daraus.
Wichtig zu wissen: Es gibt bereits offene Forschung, auf die wir aufbauen können. Das Projekt RoGSiLT von DFKI und Inria arbeitet an KI-Gebärdenübersetzung und stellt seine Ergebnisse offen zur Verfügung, allerdings für die deutsche und französische Gebärdensprache, nicht für ÖGS. Das ist eine Steilvorlage, keine Konkurrenz: wir übernehmen die Methodik und bringen sie nach ÖGS.
Was euch stark macht
SIGNVERSE hat drei Dinge, die zusammen einen echten Vorsprung ergeben:
ÖGS als Lücke, die kaum jemand ernsthaft besetzt. ÖGS ist eine eigenständige Sprache, nicht aus der deutschen Gebärdensprache ableitbar.
Der lernende, persönliche Assistent als Produktidee, die über ein reines Übersetzungstool hinausgeht.
Eure Anbindung an die Community: eine ÖGS-Übersetzerin an Bord und eine Zusage aus der Gehörlosen-Community. Das ist der Erfolgsfaktor, an dem die meisten anderen scheitern.
Was es schon gibt, und wie wir uns dazu stellen
In Österreich gibt es mit SiMAX (Firma sign time, Wien) bereits einen ÖGS-Avatar. Er arbeitet halb-automatisch: das System schlägt vor, ein gehörloser Übersetzer korrigiert, dann wird der Avatar erzeugt. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern zeigt, dass der Bereich ernst genommen wird. Wir treten nicht gegen die reine Übersetzungsforschung an, sondern positionieren uns bewusst dort, wo unser Mehrwert liegt: bei ÖGS, bei der Qualität der non-manuellen Ebene und beim persönlichen Assistenten.
Ein Grundsatz, der uns wichtig ist und der auch für Förderungen zählt: SIGNVERSE soll Dolmetscher:innen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Der sinnvolle Einsatz sind wiederkehrende, planbare Inhalte (z.B. Amtsinformationen), nicht das Live-Dolmetschen in heiklen Situationen.
Die Punkte, die über Erfolg entscheiden
Die Community führt mit. Nicht nur einbeziehen, sondern mitgestalten und mitentscheiden lassen. Bezahlte gehörlose Kern-Rollen sind auch ein starkes Förder-Argument.
Daten sind der größte Brocken. Gute ÖGS-Aufnahmen zu sammeln und fachlich zu annotieren ist der Hauptaufwand. Das planen wir von Anfang an als eigenen Baustein ein.
Qualität muss man beweisen können. Ob eine Ausgabe wirklich verständlich ist, entscheiden gehörlose Nutzer, nicht eine technische Kennzahl. Wir bauen die Überprüfung mit ein.
Datenschutz und Ethik. Gesicht und Gebärdenvideo sind sensible Daten. Personalisierung und Notfallfunktion bringen zusätzliche Verantwortung, die wir sauber regeln müssen.
Vorschlag für den ersten Prototyp
Ein einziger, klar abgegrenzter Fall statt breiter Abdeckung: eine statische Amtsinformation mit festem Wortschatz, sauber durch alle Schichten, von der Übersetzerin abgenommen und mit gehörlosen Nutzern getestet. Der Vorteil: der Wortschatz ist überschaubar, die Qualität ist vorab sicherbar, der Nutzen ist hoch und es gibt kein Haftungsrisiko wie bei Notfall oder Arzt. Die Notfallfunktion (dein dritter Zugang) führen wir bewusst als spätere Stufe.
Der Förderweg
Das Vorhaben passt gut in die österreichische F+E-Förderung, gestaffelt:
Machbarkeit FFG Innovationsscheck (mit Uni-Kooperation) und/oder aws AI-Start, parallel netidee vorbereiten (der beste inhaltliche Treffer, fördert gemeinnützige Internet-Projekte und hat schon Gebärdensprach-Vorhaben unterstützt).
Hauptphase aws AI-Adoption plus FFG Kleinprojekt für die eigentliche Entwicklungsphase, dazu möglicherweise eine NÖ-Landesförderung.
Später größere FFG- oder EU-Schienen und Sichtbarkeit über Inklusionspreise.
Eine harte Regel: Der Förderantrag muss VOR dem Projektstart raus. Förderungen gelten nur für Kosten nach der Einreichung. Also bitte noch nichts starten oder Geld ausgeben, bevor das geklärt ist.
Was wir jetzt von dir brauchen
Damit wir das sauber und förderfähig aufsetzen können, brauchen wir ein paar Infos von dir: zum Team, zu euren Kontakten und Partnerschaften, zum gewünschten ersten Use Case und zum Rahmen. Dafür gibt es den Fragenkatalog.