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Technisches Konzept · Stand 6. Juli 2026 · frisch verifiziert
So bauen wir SIGNVERSE
Das Konzept in einfacher Sprache: was wir bauen, wie es technisch funktioniert, was es kostet und wie wir beweisen, dass es wirkt. Jede Zahl hier stammt aus einer frischen Recherche vom 6. Juli 2026 mit geprüften Quellen. Was wir nicht sicher wissen, steht als offen dabei.
Wie dieses Konzept entstanden ist: sechs parallele Recherche-Läufe zu Stand der Technik, Hardware, Daten, Testen, Markt und laufenden Kosten, alle am 6. Juli 2026, alle mit Primärquellen. Zwei alte Annahmen wurden dabei korrigiert: Das DFKI-Projekt RoGSiLT ist erst im Juni 2026 gestartet und hat noch nichts veröffentlicht (wir können also heute nicht darauf aufbauen, nur beobachten). Und das EU-Projekt EASIER hatte ÖGS nicht dabei. Beides ändert nichts an der Richtung, aber es schärft sie.
Was wir bauen
Wir bauen keinen Avatar, der nur vorliest. Wir bauen den ersten Avatar, der in Österreichischer Gebärdensprache antwortet. Einen Assistenten. Zuerst für ein einziges, klar begrenztes Alltagsthema.
- Diese Kategorie ist frei. Alle bestehenden Anbieter (SiMAX in Wien, Signapse in England, alangu in Deutschland) übersetzen Inhalte nur in eine Richtung: Website rein, Gebärdenvideo raus. Ein Assistent, der auf Fragen in ÖGS antwortet, existiert nirgends. Das ist unsere Lücke.
- Das Zeitfenster ist jetzt. SiMAX arbeitet mit klassischer 3D-Animation und viel Handarbeit (Ansatz von 2008). Die neue KI-Generation gibt es für ÖGS noch nicht. In Deutschland verkauft alangu bereits an über 70 Städte und Gemeinden; irgendwann schauen die nach Österreich.
- Wir ersetzen niemals Dolmetscherinnen und Dolmetscher. SIGNVERSE kommt nur dorthin, wo es heute GAR KEINE ÖGS gibt. Das ist keine Marketing-Floskel, sondern Überlebensbedingung: Projekte ohne diese Haltung sind an der Community gescheitert.
- Bezahlen werden Organisationen, nicht Privatpersonen. Ämter, Banken, Spitäler, Verkehrsbetriebe. Weltweit zahlt kein Endnutzer für solche Apps (die größte, Hand Talk aus Brasilien, ist gratis und verdient an Firmen). In Österreich gibt es rund 10.000 gehörlose Menschen und rund 20.000 ÖGS-Nutzer, der Markt ist B2B und öffentliche Hand.
Die grüne Zone: was die Community erlaubt
Die Weltverbände der Gehörlosen (WFD) und der Dolmetscher (WASLI) haben klare Regeln veröffentlicht, wir haben sie im Original gelesen.
- Rote Linie: keine Avatare für Live-Inhalte, Notfälle, Nachrichten oder wichtige Lebensentscheidungen. Deshalb bleibt die Notfall-Idee bewusst Zukunftsvision.
- Ausdrücklich erlaubt: vorbereitete, geprüfte Information, wenn gehörlose Menschen die Inhalte mitbestimmen. Genau das ist unser Zuschnitt.
- Österreich hat einen eigenen Standard: den Best-Practice-Leitfaden der Uni Wien (2021), vom Gehörlosenbund empfohlen. Empfehlung Nr. 20 darin sagt: Fördergeber sollen prüfen, ob Projekte diesen Leitfaden einhalten. Wir bauen SIGNVERSE als erstes ÖGS-Projekt von Grund auf leitfaden-konform und machen genau das zum Förderargument.
So funktioniert es technisch: fünf Schichten
Fertige Technik mieten, wo es sie gibt. Selbst bauen nur, was ÖGS ausmacht.
1
Zuhören
Gesprochenes oder getipptes Deutsch kommt rein. Spracherkennung mieten wir fertig (kostet etwa 0,3 Cent pro Minute). Eigene Server dafür lohnen sich erst ab etwa 70.000 Minuten im Monat, davon sind wir weit entfernt.
Fertige Technik, gemietet
2
Verstehen und übersetzen
Ein Sprachmodell bringt den deutschen Satz in die Struktur der ÖGS (eigene Grammatik, eigene Satzstellung). Das Regelwerk dafür bauen wir mit Chiara und der Übersetzerin. Kostenpunkt pro Anfrage: Bruchteile eines Cents, das ist kein Kostentreiber.
Gemietete KI plus unser ÖGS-Regelwerk
3
Gebärden zusammensetzen (das Herzstück)
Wir nehmen echte Gebärden mit gehörlosen Sprachprofis auf und bauen daraus ein Lexikon für unser Thema (300 bis 800 Gebärden). Das System setzt daraus Sätze zusammen, mit weichen Übergängen. Darüber liegt unsere Forschungsschicht: das Gesicht als Grammatik. Augenbrauen zeigen den Satztyp, Kopf und Blick zeigen Verneinung und Bezüge im Raum. Das kann bis heute weltweit kein System richtig, selbst das DFKI schreibt zu seinem eigenen Player: Gesichtsanimation fehlt noch. In einem begrenzten Thema mit überschaubaren Satztypen ist es machbar. Genau hier liegt der Förder- und Forschungskern von SIGNVERSE.
Selbst gebaut, auf offener MIT-Basis (spoken-to-signed-translation)
4
Zeigen
Ein 3D-Avatar spielt die Gebärden ab, und zwar am Gerät des Nutzers (Browser, Handy, Terminal), nicht auf unserem Server. Der Server schickt nur die Bewegungsdaten, ein paar Kilobyte. Das ist DIE Kostenentscheidung des Projekts: Server-Rendering würde 184 bis 889 Euro pro Monat und Grafikkarte kosten und mit jedem Nutzer teurer werden. Hand Talk beweist den Geräte-Weg mit 38.000 Gebärden, die sogar offline funktionieren. Als Avatar-Basis ist MetaHuman erste Wahl (seit 2025 frei nutzbar bis 1 Million Dollar Jahresumsatz, Mimik-Aufnahme per iPhone inklusive).
Bestehende 3D-Technik, clever eingesetzt
5
Lernen
Gehörlose Muttersprachler prüfen und korrigieren die Ausgaben, das System merkt sich Vorlieben pro Person (Tempo, Mimik-Stärke). Im Prototyp sind das Einstellungen, das echte Mitlernen kommt als Ausbaustufe. Das ist euer Satz „wir lernen mit dem Anwender“, sauber portioniert.
Community prüft, System lernt
Was es kostet (18 Monate, ehrliche Spannen)
Die überraschende Wahrheit der Recherche: Die Technik ist billig. Teuer sind Daten und Menschen.
Was das für euer Budget heisst: Mit 100.000 Euro Eigenmitteln allein geht sich die Phase nicht seriös aus, denn das Personal (Technik, Wissenschaft, Projektleitung) kommt noch dazu. Mit Förderung (Zielkorridor 150.000 bis 250.000) geht es, wenn zwei Hebel gezogen werden: die sparsame Daten-Bauart (Lexikon plus Vorlagen) und die Uni-Graz-Partnerschaft (Studio, studentische Kräfte zu Forschungssätzen, Zugang zum bestehenden Grazer ÖGS-Korpus, Forschungsprivileg beim Datensammeln). Genau deshalb gilt: Antrag vor Projektstart, keine Ausgaben vorher. Späterer Betrieb ist günstig: ein Pilot mit bis zu 1.000 Nutzern kostet etwa 100 bis 600 Euro Technik pro Monat.
Beweisen statt behaupten: der Test-Fahrplan
Ob der Avatar verständlich ist, entscheiden gehörlose Menschen, keine technische Kennzahl.
- Ab Monat 1: ein tauber Beirat (4 bis 6 Personen, bezahlt) führt mit. Ethik-Antrag über die Uni Graz.
- Monat 2 bis 3: Fokusgruppen wählen das Thema, die Sätze und den Avatar-Look mit aus.
- Zwei Testrunden (Monat 7 bis 8 und 11 bis 12): Verständnistests gegen echte Dolmetsch-Videos ("Zwillingsvideos"), alle Fragen in ÖGS gestellt, nie schriftlich.
- Monat 15 bis 16: große Abschluss-Studie mit 20 bis 30 Teilnehmenden an 2 Standorten.
- Monat 17 bis 18: Ergebnisse gehen in ÖGS an die Community zurück, plus Veröffentlichung.
Die Messlatte ist beziffert: Der SiMAX-Prototyp erreichte 2019 bei 247 Teilnehmenden nur 52 Prozent Verständlichkeit, eine aktuelle deutsche Avatar-Studie (2025) lag unter 50 Prozent. Ein eng geschnittener Assistent, der deutlich darüber liegt, ist ein veröffentlichbares Forschungsergebnis und das stärkste Verkaufsargument.
Fünf Entscheidungen vor der ersten Zeile Code
1. Das Thema wählen. Mit Chiara und den Fokusgruppen, nicht am Schreibtisch. Drei Kandidaten aus der Recherche: Gesundheit (Aufnahme, Entlassung, Aufklärung im Spital, ideal mit Uni Graz), Amtswege (Formular-Hilfe, wie es in Deutschland 70+ Kommunen kaufen), Verkehrs-Info im Dialog (ÖBB; die Wiener Linien sind an SiMAX vergeben).
2. Avatar läuft am Gerät, nicht am Server. Die Kosten-Weiche (siehe Schicht 4), einmal entschieden, immer günstig.
3. Daten-Bauart: Lexikon plus Vorlagen. Halbiert den Datenhunger, hält aber den Anschluss an spätere KI-Verfahren offen (das Zwischenformat bleibt gleich).
4. MetaHuman-Lizenz prüfen. Eine Klausel zur KI-Nutzung müssen wir vor der Festlegung lesen. Ersatzweg existiert (Character Creator 5, 299 USD).
5. Alle Zusagen schriftlich machen. Übersetzerin, Community, Uni Graz, Datenzugang. Solange das mündlich ist, steht der Antrag auf Sand.
Schnelle Gewinne (billig, sofort machbar)
Uni Klagenfurt anschreiben: Nutzungsvereinbarung für das ÖGS-Lexikon LedaSila (17.000+ Gebärden) klären. Ein Mail, großer Hebel für unsere Vokabular-Basis.
Eigenes öffentliches Versprechen veröffentlichen: ein kurzes Statement zum verantwortungsvollen Avatar-Einsatz, nach dem Vorbild von Kara (Neuseeland). Kostet fast nichts, baut Vertrauen VOR dem ersten Prototyp.
Leitfaden-Konformität ausformulieren: die Uni-Wien-Empfehlungen Punkt für Punkt zusagen, direkt ins Förderansuchen.
Profil auf der IÖB-Innovationsplattform anlegen: dort kaufen Behörden Innovation ein. SiMAX ist seit 2020 gelistet, ein moderner zweiter ÖGS-Anbieter fällt auf.
ORF-Gespräch anbahnen: der ORF produziert über 850 Stunden ÖGS pro Jahr. Als Datenquelle nur per Vertrag nutzbar, das Vorbild dafür existiert (Schweizer Fernsehen hat es für die Forschung erlaubt). Türöffner: Uni Graz.
Ethik-Antrag über die Uni Graz einreichen: klärt nebenbei, wie ernst die Kooperation ist.
netidee-Termine prüfen: die beste kleine Förderschiene (bis 60.000 EUR) für genau solche Projekte.
Ehrliche Risiken
Daten-Engpass: qualifizierte gehörlose ÖGS-Fachkräfte sind wenige, Aufbereitung wird immer unterschätzt. Gegenmittel: vorgeschriebene Sätze statt freier Rede, die ersten zwei Studiotage als Messlauf.
Vertrauen der Community: Avatare sind in Österreich vorbelastet (öffentliche Kritik an SiMAX seit 2019). Gegenmittel: Beirat mit echter Macht, bezahlte Rollen, öffentliches Statement, nur dorthin gehen, wo sonst keine ÖGS ist.
Das Gesicht ist Forschung: Mimik als Grammatik kann scheitern, deshalb ist es ja förderfähig. Gegenmittel: das enge Thema begrenzt die Satztypen auf eine beherrschbare Menge.
Datenschutz: Gebärdenvideos zeigen zwingend das Gesicht. Widerrufbare Einwilligungen und die Frage „was passiert mit trainierten Modellen bei Widerruf“ vorab anwaltlich regeln.
Tempo des Markts: Ende 2025 hat eine US-Firma das bekannteste offene Projekt gekauft, alangu wächst in Deutschland. Gegenmittel: unser ÖGS-Datenfundament als Besitz, gestufte Förderung, Architektur von Anfang an DGS-anschlussfähig (Deutschland ist der 8-mal größere Nachbarmarkt).
Dieses Konzept ist Romans technische Einschätzung auf Basis der Recherche vom 6. Juli 2026 (sechs Berichte mit Quellen, intern abgelegt), kein wissenschaftliches Gutachten. Detailzahlen und Quellen: `konzept-technik.md` plus `recherche/05` bis `recherche/10` im Projektordner.
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