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Technische Antwort und Antrags-Fahrplan · für Harald und Chiara

SIGNVERSE technisch: geht das, und wie?

Antwort auf deine neun Fragen, mit dem Stand der Recherche und euren Antworten aus dem Fragebogen. Kurzfassung: ja, es geht, wenn wir eng schneiden und auf offener Forschung aufsetzen, statt alles selbst zu bauen.

Guter Ausgangspunkt: mit Chiara als wissenschaftlich-fachlicher Leitung, der Uni Graz in Anbahnung, JIL als Träger und 100.000 Eigenmitteln steht das Fundament. Das ist kein Ideen-Papier mehr, das ist ein förderfähiges F+E-Vorhaben.

Deine neun Fragen

Frage 1

Ist der Ansatz technisch realistisch?

Ja, aber nur richtig geschnitten. Die Einzelbausteine (Sprache-zu-Text, Sprachmodelle, 3D-Avatar, Bewegungsdaten) sind ausgereift. Die Schwierigkeit ist, ÖGS als vollständiges visuell-räumliches System abzubilden, also Mimik als Grammatik, non-manuelle Signale und Raum. Genau das ist euer Forschungsbeitrag, und mit Chiara plus Uni Graz ist der linguistische Kern besetzt.

Frage 2

Welche Systemarchitektur?

Fünf Schichten: (1) Eingabe (Text/Sprache), (2) Übersetzung Deutsch in die ÖGS-Struktur, (3) Gebärden-Repräsentation (Hände plus non-manuelle Marker plus räumliche Loci plus Timing), (4) Avatar-Rendering, (5) Rückkopplung mit gehörlosen Nutzern. Das Herz sind Schicht 2 und 3, nicht das Rendering.

Frage 3

Welche bestehenden Technologien nutzen?

Whisper (Sprache-zu-Text), ein Sprachmodell als Hilfsbaustein, MediaPipe (Bewegungs- und Gesichts-Erfassung), MetaHuman/Unity (3D-Avatar), HamNoSys/SiGML als kontrollierte Notationsebene für non-manuelle Signale und Raum. Als offenes Rückgrat die MIT-lizenzierte Pipeline spoken-to-signed-translation. Methodisch bauen wir auf RoGSiLT (DFKI/Inria) auf, deren Ergebnisse Open Source werden (aber DGS/LSF, nicht ÖGS).

Frage 4

Was müssen wir selbst entwickeln?

Das, was ÖGS ausmacht: das ÖGS-Glossen- und Grammatik-Mapping (mit Chiara und der Übersetzerin), die non-manuellen Signale, die Gebärden-Repräsentationsschicht, das Feedback- und Korrektur-Interface, und die Personalisierung (euer USP "wir lernen mit dem Anwender").

Frage 5

Welche Datenbasis, speziell für ÖGS?

Der eigentliche Knackpunkt. Es gibt gute lexikalische Ressourcen (LedaSila, Uni Klagenfurt, rund 17.000 Gebärden, öffentlich), aber keinen grossen parallelen ÖGS-Trainingskorpus. Diesen teilweise selbst aufzubauen (mit Übersetzerin, Community und Uni Graz) ist selbst förderfähig und wird euer verteidigbares Asset. Dass ihr bereit seid, eigene Daten aufzunehmen, ist genau richtig.

Frage 6

Wie Mimik, Mundbild, Blick, Körper und Raum abbilden?

Über eine kontrollierte Parameter- und Notationsebene (HamNoSys plus non-manuelle Marker plus räumliche Loci plus Timing), die editierbar und ausgabe-unabhängig bleibt. Das ist die Versicherungsschicht: sie lässt euch die Qualität steuern und prüfen, statt sie einer Blackbox zu überlassen.

Frage 7

Wie ein lernendes System?

Comprehension-Tests und ein Korrektur-Interface mit gehörlosen Muttersprachlern, dazu ein Präferenz-Modell pro Nutzer (Tempo, Stärke von Mimik/Gestik, bevorzugte Ausdrucksformen). Im Prototyp als Präferenzen und Voreinstellungen, das echte adaptive Lernen als Ausbaustufe. Das deckt sich exakt mit eurem "wir lernen mit dem Anwender".

Frage 8

Welche technischen Risiken?

(1) ÖGS-Datenmangel. (2) Naturalismus plus non-manuelle Signale plus Raumgrammatik, das können alle Systeme heute am schlechtesten, das ist der Forschungskern. (3) Community-Akzeptanz (SiMAX existiert bereits, der ÖGLB ist kritisch). (4) Personalisierung als Scope-Falle. (5) Evaluierung: textbasierte Metriken korrelieren schlecht mit dem Urteil nativer Signer, es braucht eine echte Comprehension-Studie mit Gehörlosen.

Frage 9

Realistischer erster Prototyp für 18 Monate?

Ihr wollt den persönlichen Assistenten. Mein Vorschlag als goldener Schnitt: ein Assistent für eine geschlossene Alltagsdomäne statt offen für alles, sauber end-to-end durch alle fünf Schichten, von der Übersetzerin abgenommen, mit gehörlosen Nutzern evaluiert, plus eine erste Form von Personalisierung. So bleibt eure Vision drin, und der Prototyp ist trotzdem beweisbar und förderfähig. Die Notfallfunktion bleibt bewusst Vision.

So wird der Antrag förderfähig

Drei Punkte aus euren Antworten, die vor dem Antrag zu lösen sind.

  1. Use-Case-Schnitt: den Assistenten auf eine geschlossene Domäne begrenzen (Frage 9). Qualität vorab sicherbar, Scope klein, Wirkung zeigbar.
  2. Community führt mit, nicht "Testimonials": bezahlte gehörlose Kern-Rollen, ÖGLB und ÖGSDV früh und formal einbinden, Governance beschreiben ("Nichts über uns ohne uns"). Das ist Akzeptanz- UND Förderbedingung, und ein starkes Argument, wenn man es richtig dreht.
  3. Zusagen formalisieren: Übersetzerin schriftlich, Community als Kooperationszusage, Uni Graz als Kooperationsvertrag (auch FFG-Pflicht), Datenzugang vertraglich. Solange das mündlich ist, steht der Antrag auf Sand.

Rahmen und Förderweg

Träger und Antragsteller: JUENG Innovation Lab GmbH. Eigenmittel erste Phase: 100.000 EUR, Dauer 18 Monate. Mit Förderung wird daraus realistisch eine 150 bis 250k-Phase. Empfohlene Stufen: netidee (bis 60k, bester inhaltlicher Treffer, fördert gemeinnützige Internet-Projekte mit Barrierefreiheit), FFG Innovationsscheck (mit Uni-Kooperation), aws AI. Harte Regel: der Antrag muss VOR dem Projektstart raus, also noch nichts starten oder ausgeben.

Vertieft am 6. Juli 2026

Nach euren Antworten haben wir eine zweite, tiefe Recherche-Runde gefahren (Stand der Technik, Hardware, Daten, Testen, Markt, Kosten) und daraus das technische Konzept verdichtet. Die offenen Punkte von hier (RoGSiLT-Verifikation: erledigt, noch nichts released; LedaSila-Lizenz: zu klären; Chiaras Einordnung: angefragt) leben jetzt im Klärungs-Katalog weiter.

Zum technischen Konzept →

Zum Klärungs-Katalog →

Diese Seite ist Romans technische Einschätzung als Ausgangspunkt, kein wissenschaftliches Gutachten.
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